Meinen Beruf sehe ich als Berufung und die Liebe brauch' ich zum Leben, aber was soll ich machen, wenn ich wegen des Jobs keine Liebe finde", fragt der Radolfzeller Thomas Honold. Der Küchenmeister löste die Frage von selbst und eröffnete im Internet mit gastrosingles.de die erste deutsche Partnersuchseite für Singles aus der Gastronomiebranche. Das war Anfang August 2007. In den ersten beiden Monate waren es gerade 100, mittlerweile hat die Seite in Deutschland, Österreich und der Schweiz über 2100 Mitglieder. Honold hat nun, auf Anregung der Nutzer, unter der Hauptseite Jobsingles.de auch noch Metzger, Bäcker, Mediziner, Ingenieure und Landwirte unter seine Such-Fittiche genommen. Die virtuellen Treffen sind - noch - kostenlos und aus Werbeeinnahmen finanziert.
Im deutschsprachigen Raum ist es jetzt noch einmalig, dass Frau oder Mann den Partner nach Beruf auswählen können, berichtet Thomas Honold von seiner Intention: "Koch sucht Restaurantfachfrau, das gibt es doch in keiner Singlebörse in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz." Das erste Paar, das über den Internetservice Kontakt knüpfte, ein Meisterkoch und eine Hotelfachfrau, habe ihm bereits angekündigt, dass sie demnächst zusammenziehen werden, sagt Honold. Er sei vom Niederrhein, sie aus dem Großraum Berlin. Beide hätten ohne Honolds Seite wahrscheinlich nie das gemeinsame Glück gefunden.
Nach den Gastrosingles-Benutzern, von denen auch viele aus der Ostschweiz und aus Vorarlberg kommen, riefen plötzlich auch Bäcker und Metzger an. Sie fragten, ob er nicht wüsste, dass auch sie bescheidene Arbeitszeiten hätten. Wenn sich andere nach dem Party- oder Discogang noch einmal im Bett umdrehen würden, müsste der Bäcker schon wieder am Arbeitsplatz stehen. Um drei Uhr klingelt sein Wecker. Auch der ledige Honold steht zu Zeiten am Herd im elterlichen Restaurant auf der Bodenseehalbinsel Mettnau, wenn andere flirten. "Bis ich dann in die Bar oder Disco komme, sind doch die nettesten Damen schon vergeben", scherzt der 30-Jährige. "Also musste ich doch den Mädels und Jungs helfen."
Im Oktober erweiterte der findige Koch die Seiten um Partnersuchende aus der Lebensmittelbranche. Nach wie vor aber sind rund 75 Prozent der Partnersuchenden aus der Gastronomie und Hotellerie. Die Jobsingles-Seiten laufen aber gemeinsam über eine Datenbank und sind untereinander verlinkt. "So können sich alle kennenlernen, die außergewöhnliche Arbeitszeiten haben", sagt Honold. Warum solle ein Landwirt nicht auch eine Restaurantfachfrau kennenlernen, das passe doch perfekt. Als kurz vor Weihnachten 2007 eine nach einem Unfall erblindete Frau in Radolfzell anrief und um Hilfe bat, musste Honold schlucken. "Das hat mich so getroffen, da musste ich einfach was unternehmen", sagt er heute.
Zu dem "Portal fürs Berufs- und Liebesglück" kamen die Parasingles-Seiten für Singles mit Handicap als separates Netzwerk hinzu. Und wann muss, wie auf anderen Seiten, für die elektronische Art der Partnervermittlung bezahlt werden? Vorerst noch nicht. Aber eingebucht müsse man schon sein. Und in der nächsten Ausbaustufe soll das Angebot auf Englisch und somit weltweit erweitert werden.
Gerhard Herr